www.streuner-spanien.de

Christa
                                                                                                                zurück zur Startseite

    deutschland_0011 spanien_0009 

CIMG0140b (Small)

zu unserem
Tagebuch
 

dann lege ich mal los :-)

Vor ein paar Jahren, mein Hund war vor kurzer Zeit über die Regenbogenbrücke gegangen, wollte ich wieder einen Hund haben, aber keinen für "immer", ich wollte mich einfach nicht mehr so fest binden und ich dachte, von einem Pflegehund kann ich mich leichter trennen.
Ich kannte eine Frau, die ein Ehepaar auf Lanzarote unterstützte, die Hunde aus Tötungsstationen freikauften und dann in ihrem Haus die armen Seelchen pflegten, bis sie ein neues Zuhause gefunden hatten.
Nach reiflicher Überlegung rief ich meine Bekannte an und fragte nach, ob ich wohl als Pflegestelle in Frage käme. Sie beriet mich lange und ausführlich und wir vereinbarten, dass sie mich anrufen wollte, sobald sie von Lanzarote zurück kommt.
An einem Wochenende, ich war bei meiner Mutter im Ruhrgebiet, erhielt ich ihren Anruf, dass sie ganz überraschen nach Düsseldorf zum Flughafen fahren musste, weil dort ein Hund ankam und sie keine Möglichkeit hatte ihn zu sich zu nehmen. Ich war natürlich "Feuer und Flamme" und da sie fast bei meiner Mutter an der Haustür vorbei fahren musste, vereinbarten wir einen Treffpunkt an der Autobahnabfahrt.
Am Abend fuhren meine Mutter und ich dann los und waren natürlich viiiiiiiiiiieeeeeeeeeellllllll zu früh am Treffpunkt, aber dann irgendwann kam das Auto mit meinem ersten Pflegehund an. Die Tür wurde geöffnet und heraus kam ein kleines dünnes "Etwas", total verschlafen, aber mit wunderschönen braunen Augen, etwas struppigem Fell und ich war SOFORT in den kleinen Mann verliebt. Wir hatten eine warme Decke mitgebracht, obwohl es Sommer war und das war auch gut so, denn das Kerlchen zitterte wie Espenlaub, bestimmt nicht nur weil er geforen hat. Meine Mutter nahm ihn, eingewickelt in der Decke, auf den Schoss und schon schlief er wieder ein.
Als wir in meinem Elternhaus ankamen, hat er sich sofort auf das Futter und das Wasser "gestürzt", das ich vorher schon bereit gestellt hatte. Er frass und frass und frass, ich dachte, gleich platzt die Maus, aber er kannte das ja nur so, solange es was zu futtern gab, musste man fressen, weil er nicht wusste, wann es wieder was gab. Meine Mutter deckte für uns den Abendbrottisch und wir dachten, nun können wir gemütlich essen, aber da hatten wir die Rechnung ohne meinen Timmi gemacht, denn so was leckeres konnte er sich doch nicht entgehen lassen. Es war die reinste Katastrophe, ich war nassgeschwitzt und fix und alle, denn ich musste mein "Futter" richtig verteidigen. Ich habe nur gedacht "Hilfe, auf was hast du dich da eingelassen". Dann bin ich mit ihm in den, zum Glück eingezäunten, Garten gegangen und liess ihn dann ohne Leine laufen. Nur wollte Timmi gar nicht laufen, er hat sein "Geschäft" verrichtet und wollte nur wieder rein, bevor jemand an sein Futter ging. Zum Schlafen habe ich mich angezogen auf mein Bett gelegt, Timmi`s Decke neben mein Bett gelegt, seine Näpfe daneben, ein kleines Nachtlicht angelassen und dann haben wir Beide wirklich geschlafen, 2 Stunden, dann stand er "weinend" vor der Tür Also habe ich ihn an die Leine genommen und bin mit ihm in den Garten und er "musste" tatsächlich, das ging dann alle 2 Stunden so, aber ich war glücklich, dass er nicht in die Wohnung gemacht hat, obwohl er das ja gar nicht kannte. Um 6 Uhr habe ich mich dann auf den Weg gemacht, wir hatten schliesslich 250 km vor uns und ein wenig Angst hatte ich schon vor der Fahrt, denn da meine Hunde immer, ohne Box, auf dem Rücksitz mitgefahren sind, hatte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Nun hatte ich aber so einen kleinen "Wildfang" hinter mir sitzen und ich hoffte nur, dass alles gut ging. Die ersten Kilometer habe ich mehr in den Rückspiegel geschaut als auf die Strasse, aber Timmi war ganz brav, schaute gespannt aus dem Fenster, rollte sich dann auf dem Rücksitz zusammen und schlief ein. Eigentlich wollte ich unterwegs wenigstens EINE Pause einlegen, aber Timmi rührte sich nicht, also fuhr ich bis nach hause durch. Erst als ich in die Tiefgarage fuhr wachte das Männlein auf. Bevor wir in die Wohnung gingen machten wir einen kurzen Gassigang und dann ging es los. Wir stiegen in den Fahrstuhl ein, Timmi ging einfach mit mir als wenn er nie etwas anderes gemacht hätte, dann kamen wir in die Wohnung. Ich machte seine Näpfe fertig und liess in ganz in Ruhe. Seine erste "Amtshandlung" war das Anpinkeln eines Stuhls im Wohnzimmer, nach dem Motto "Das ist jetzt alles meins!" Alles wurde ausgiebig begutachtet und beschnuppert, er kannte so was ja gar nicht, er hatte 7 Jahre auf der Strasse gelebt, Ich ging ich alle 4 Stunden mit ihm Gassi, da er ja nie gelernt hatte sich zu melden wenn er "muss" und das klappte auch ganz gut. Da ich direkt am Wald wohne und dort viele Hunde frei rumlaufen hatte ich schon ein wenig Angst, aber Timmi verhielt sich vorbildlich, er zerrte nicht an der Leine und machte auch keine anderen Hunde an.
Nach 2 Wochen Eingewöhnungszeit fing für Timmi nun der Ernst des Lebens an, wir gingen in die Hundeschule. Das Wichtigste was er lernen sollte war, dass er OHNE Leine laufen konnte und natürlich auch wieder zu mir kam :-)
Nach 6 Wochen und viel üben mit der Schleppleine habe ich es dann gewagt. An einem Sonntagmorgen um 6 Uhr ging ich mit ihm in den Wald auf eine grosse Wiese, andere Hunde waren um diese Zeit noch nicht unterwegs und dann kam der grosse Augenblick.....ich machte die Leine ab. Mein Blutdruck stieg, mein Herz fiel in die Hose und Timmi sauste los........aber nicht weg, sondern immer in um mich rum, in einem Affentempo, er genoss seine Freiheit und zum ersten Mal kam der Gedanke hoch, ob es richtig war ihn aus seiner gewohnten Umgebung rauszureissen. JETZT war er glücklich...ohne Leine...aber sonst???? Ich wagte nun ein Stück weiter zugehen und Timmi lief vor und zurück aber nicht weg, hin und wieder rief ich ihn zu mir, er kam auch sofort und bekam seine Belohnung. Nun waren wir so weit, dass er jeden Tag frei laufen durfte und es klappte alles wunderbar, bis auf den Rückweg, denn da MUSSTE er, warum auch immer, in den letzten Seitenweg einbiegen und für eine Zeit verschwinden. Ich konnte rufen wie ich wollte, er blieb stehen, drehte sich um "Frauchen, ich habe es gehört, aber nun muss ich erst woanders hin!" und schwanzwedelnd verschwand er um die nächste Ecke und ich stand mir die Beine in den Bauch. Nach ca. 30 Min. kam er dann immer wieder angerannt, machte brav "Sitz" und wartete auf seine Belohnung, er war ja gekommen....wenn auch nicht sofort :-)
Das also klappte ganz gut, nun begann die Übung "Timmi allein zu hause".
Ich ging immer für kurze Zeit raus, kam wieder rein, so als wenn es die natürlichste Sache der Welt wäre, auch als ich dann einige Minuten wegblieb war alles ok. Dann musste ich zur Beerdigung, gab vorsichtshalber meiner Nachbarin den Schlüssel für alle Fälle und Timmi ein Stück getrockneten Pansen, den er so sehr liebte, und ging schweren Herzens los.

Nach 2 Stunden war ich wieder da und es war alles gut gegangen....ausser.....das er das Stuhlbein angepinkelt hatte, was er bis zum Schluss immer gemacht hat wenn er alleine war, aber damit konnte ich leben.
Mittlerweiler war Timmi nun schon fast ein Jahr bei mir und ich dachte gar nicht mehr daran das er "nur" ein Pflegehund war........bis dann der Anruf kam, dass man für den kleinen Mann eine Endstelle gefunden hätte. Ich war geschockt und hätte ihn am liebsten behalten, aber die Vernunft siegte, denn dann hätte ich als Pflegestelle nicht mehr zur Verfügung gestanden und ich weiss, wie wichtig diese Stellen sind!
Der Abschied war furchtbar, aber er kam in ein supertolles Zuhause und ich hatte ihm (fast) alles beibringen dürfen was er für den Start in sein neues Leben brauchte.
Auch heute noch, nach vielen Jahren, höre ich immer hin und wieder was von ihm, er ist nun alt und grau geworden, aber für mich bleibt er in Erinnerung immer " Mein erster Pflegehund Timmi!"...der es faustdick hinter seinen Schlappöhrchen hatte :-)

Liebe Grüsse
Christa

............................

Dieses Fenster schließen